Ein Ort, an dem Geschichte Rebwurzeln schlägt.
Das Weingut Disibodenberg liegt im Zentrum des Weinbaugebiets Nahe – einer Region, in der Weinbau nicht nur betrieben, sondern seit Jahrtausenden gelebt wird. Schon die Kelten nutzten den Disibodenberg als Kultort. Die Römer übernahmen diesen besonderen Ort, errichteten eine Tempelanlage und machten ihn produktiv: Systematischer Weinbau, professionelle Keltertechnik, klare Strukturen. Ein eindrucksvoller Beleg dafür ist die römische Weinpresse, die 2024 in Odernheim entdeckt wurde und auf hochentwickelte Keltertechnik im 2.–3. Jahrhundert hinweist.
Der eigentliche Ursprung des heutigen Weinguts reicht ins frühe Mittelalter zurück. Am Standort unseres heutigen Weinguts entstand ein Wirtschaftshof des Kloster Disibodenberg – einem der bedeutendsten geistlichen Zentren seiner Zeit. Um das Jahr 640 gründete der iro-schottische Wandermönch Disibod hier eine Klause. Aus ihr entwickelte sich zunächst ein Augustiner-Chorherrenstift, das 1108 unter Erzbischof Ruthard in ein Benediktinerkloster umgewandelt wurde. Mit dem Bau einer großen kreuzförmigen Basilika, die 1143 geweiht wurde, erreichte das Kloster seine architektonische und kulturelle Blüte.
Kulturelle Weltgeltung erlangte der Disibodenberg durch außergewöhnliche Frauen. Jutta von Sponheim gründete um 1106 eine Frauenklause, in die ein junges, hochbegabtes Mädchen eintrat – Hildegard von Bingen. Hildegard lebte über 40 Jahre am Disibodenberg, hier entstand ihr Hauptwerk Liber Scivias („Wisse die Wege“). Sie beschrieb den Ort als eine „liebliche Gegend mit fruchtbaren Feldern und Weinbergen“ (Atlas der Weinkultur RLP).
Nach der Reformation endete das klösterliche Leben 1559; Wirtschaftshof und Weinberge wurden säkularisiert und in weltlichen Besitz überführt.
Ab der Mitte des 18. Jahrhunderts prägte die Odernheimer Familie Schmidt das Gut über Generationen hinweg. Ende der 1960er Jahre stellten sie den Betrieb neu auf, erweiterten die Rebflächen, errichteten eine moderne Kellerei – und trafen eine für die Nahe damals ungewöhnliche Entscheidung: den klaren Fokus auf Burgundersorten, allen voran Spätburgunder (Pinot Noir). Eine Weichenstellung mit langfristiger Wirkung.
1992 übernahm Christian Held als persönlich haftender Gesellschafter Verantwortung – in einer Phase, in der der deutsche Weinbau vor einem grundlegenden Wandel stand. Steillagenbetriebe wie das Weingut Disibodenberg mussten sich kompromisslos auf Qualität ausrichten. Ein engagierter Gesellschafterkreis erkannte das Potenzial der Odernheimer Lagen und formulierte ein klares Ziel: Weine mit internationalem Anspruch. Mit Thomas Zenz, Diplom-Ingenieur für Weinbau, der 1997 die operative Leitung übernahm, wurde diese Vision konsequent umgesetzt.
Parallel entwickelte sich der Betrieb strukturell weiter: Ausbau der Rebflächen, Aufbau einer heute hoch angesehenen Sekterzeugung, Gründung der Brennerei Boos von Waldecksche Hofbrennerei, Eröffnung des Weinhotels Meisenheimer Hof (2013) und die Erneuerung der Kellerei im Jahr 2017, sowie die Übernahme der Rebflächen am Disibodenberg vom ehemaligen Weingut von Racknitz 2018. Die zum Betrieb gehörenden erstklassigen Weinberge, alle im Monopol, sind mit der Grand Cru Rieslinglage Disibodenberg und den wunderbaren Burgunderlagen Montfort, Kapellenberg und Langenberg die ideale Grundlage zur Produktion von Spitzenweinen.
Ein Sensationsfund: Die ältesten Reben Deutschlands
In einer seit langem aufgelassenen Terassenlage im Disibodenberg wurden Rebstöcke der kaum noch bekannten Sorte Weißer Orléans entdeckt – einer spät reifenden, säurebetonten historischen Weißweinrebe. Ampelografische Vergleiche und historische Urkundenlage deuten darauf hin, dass diese Reben zwischen 1108 und dem Ende des Klosters 1559 gepflanzt wurden und damit zu den ältesten Reben Deutschlands zählen. Der Orleans war einst in Deutschland verbreitet, verschwand aber im Lauf der Jahrhunderte weitgehend aus den Weinbergen. Dass fünf dieser Reben am Disibodenberg überdauerten, ist nicht nur ein botanisches, sondern auch ein kulturhistorisches Zeugnis des Weinbaus über Jahrhunderte: ein lebendiger Faden von der Klosterzeit bis in die Gegenwart.
Seit dem 1. April 2019 trägt der Betrieb bewusst den Namen Weingut Disibodenberg – als Bekenntnis zu seiner Herkunft und als Haltung für die Zukunft.
Stimmen von außen:
„Die Weine vom Disibodenberg besitzen beeindruckende Tiefe und Eleganz – besonders der Spätburgunder ist ein Nahe-Juwel auf internationalem Niveau.“
— Stuart Pigott, Weinjournalist
„Rieslinge mit mineralischer Präzision, Sekte mit feinster Perlage – hier verschmelzen Geschichte und Moderne.“
— @Gault & Millau WeinGuide
„Ein Ort, an dem man spürt, dass Weinbau hier nie Mode war, sondern Überzeugung.“
— Besucherfeedback wein.plus
Heute bewirtschaftet das Weingut rund 22 Hektar Rebfläche und versteht seine lange Geschichte nicht als Denkmal, sondern als Fundament für Weine mit Herkunft, Charakter und Zukunft.